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Kreta entdecken · Kulinarik

Die Küche, die zur ganzen Welt wurde

Olivenöl, Kräuter und ein Baum, der schon vor 3000 Jahren stand

Was heute als "mediterrane Ernährung" um die Welt geht, ist im Kern kretische Küche, entstanden nicht am Reißbrett, sondern über Jahrtausende auf einer Insel, die kaum eine andere Wahl hatte, als aus wenigen, guten Zutaten viel zu machen.

Das flüssige Gold

Olivenöl, das älter ist als die meisten Länder

Kein Lebensmittel prägt die kretische Küche so sehr wie Olivenöl, und nirgendwo wird das deutlicher als bei einem einzelnen Baum im Dorf Ano Vouves im Nordwesten der Insel.

Der Olivenbaum von Vouves gilt als einer der ältesten Olivenbäume der Welt, geschätzt über 3.000 Jahre alt, und er trägt bis heute Früchte der Sorte Tsounati. Fast 90 Prozent der kretischen Olivenbäume gehören allerdings zur Sorte Koroneiki: klein, ölreich, reich an Polyphenolen, mit der charakteristischen leichten Schärfe im Abgang, die gute native Öle auszeichnet.

3000+Jahre alt: der Olivenbaum von Vouves
90%der kretischen Bäume sind Koroneiki-Oliven
1996seit diesem Jahr ist Graviera Kritis g.U.-geschützt
Okt–DezKazánia-Zeit, wenn Tsikoudia gebrannt wird

Käse, Kräuter, Herkunft

Graviera und die wilden Kräuter der Insel

Graviera Kritis, der bekannteste Käse der Insel, ist seit 1996 als geschützte Ursprungsbezeichnung eingetragen und darf nur in den vier kretischen Regionen aus Schaf- und etwas Ziegenmilch hergestellt werden. Entscheidend für seinen nussig-süßen Geschmack: Die Tiere ernähren sich traditionell von den wilden Kräutern und Weiden der Insel wie Thymian, Oregano und Salbei, und genau das schmeckt man im fertigen Käse wieder. Dieselben Wildkräuter, auf Kreta schlicht "Horta" genannt, landen auch direkt als Salat oder Gemüse auf dem Tisch, eine der ältesten Nahrungsquellen der Insel überhaupt.

Wer kretisch isst, isst nicht nach Rezept, sondern nach Jahreszeit: was die Insel gerade hergibt, kommt auf den Tisch. Das war nie eine Diät, es war schlicht die einzig sinnvolle Art zu leben.

zur kretischen Ernährungsphilosophie

Das Wasser des Lebens

Tsikoudia: mehr als ein Schnaps

Tsikoudia, auf Kreta auch Raki genannt, ist ein klarer Tresterbrand aus den Resten der Weinlese, ohne Anis, im Unterschied zum türkischen Raki oder griechischen Ouzo. Von Oktober bis Dezember beginnt die "Kazánia-Zeit": In fast jedem Dorf wird in traditionellen Kupferkesseln, den Kazani, gebrannt, während Nachbarn und Familie zum gemeinsamen Feiern zusammenkommen. Serviert wird Tsikoudia bis heute oft als spontanes, unaufgefordertes Geschenk des Hauses, ein weiteres kleines Kapitel der kretischen Filoxenia.