← Zurück zu Kreta entdecken

Kreta entdecken · Kultur & Geschichte

Eine Insel, die älter ist als ihre eigenen Mythen

5000 Jahre auf 8300 Quadratkilometern

Kreta war die erste Hochkultur Europas, bevor es überhaupt "Europa" gab. Danach kamen Griechen, Römer, Byzantiner, Venezianer, Osmanen. Jeder hat Spuren hinterlassen, aber keiner hat die Insel wirklich verändert. Was von alldem bis heute geblieben ist: eine Geschichte, die man in den Gassen, auf den Tellern und in der Musik noch spürt.

Zeitleiste

Fünf Epochen, eine Insel

Kaum ein Fleck Erde dieser Größe wurde so oft erobert, belagert und neu geordnet wie Kreta, und hat dabei so hartnäckig seinen eigenen Charakter behalten.

  • Die Minoer (ca. 3000–1450 v. Chr.)

    Die erste Hochkultur Europas. Ihr Zentrum: der Palast von Knossos, mit bis zu 1.300 Räumen, fließend Wasser und einer Kanalisation, die ihrer Zeit um Jahrtausende voraus war. Um 1450 v. Chr. bricht die Kultur, vermutlich durch Naturkatastrophen und Invasionen, rasch zusammen.

  • Venezianische Herrschaft (1204–1669)

    Nach dem Niedergang von Byzanz wird Kreta zur wichtigsten Kolonie Venedigs. Die Festungen von Chania, Rethymno und Heraklion, die heute noch das Stadtbild prägen, stammen aus dieser Zeit, gebaut aus Angst vor den Osmanen.

  • Osmanische Herrschaft (1669–1897)

    Nach einer 21 Jahre dauernden Belagerung fällt Candia (das heutige Heraklion) 1669. Es folgen über 200 Jahre osmanischer Herrschaft und wiederholte Aufstände, vom Freiheitskämpfer Daskalogiannis 1770 bis zur Zerstörung des Klosters Arkadi 1866, die international für Aufsehen sorgte.

  • Vereinigung mit Griechenland (1898–1913)

    Unter Druck der europäischen Großmächte wird Kreta 1898 autonom, 1913 schließlich Teil des griechischen Staats, maßgeblich vorangetrieben von einem gebürtigen Kreter: Eleftherios Venizelos.

  • Die Schlacht um Kreta (Mai 1941)

    Deutsche Fallschirmjäger landen bei Maleme, der erste Großeinsatz von Luftlandetruppen der Militärgeschichte. Was die Wehrmacht nicht einkalkuliert hatte: den bewaffneten Widerstand der kretischen Zivilbevölkerung, einzigartig in dieser Form im gesamten Zweiten Weltkrieg.

Der Pentozalis, der bekannteste Tanz Kretas, ist nach dem fünften Aufstand der Insel gegen die Osmanen benannt: schnell, kämpferisch, kompromisslos. Bis heute wird er auf jeder kretischen Hochzeit getanzt.

zur Herkunft des Tanzes

Der Herzschlag der Insel

Musik, die man mit den Füßen versteht

Drei Instrumente prägen die kretische Musik: die dreisaitige Lyra, auf den Knien des Spielers gehalten und mit dem Bogen gestrichen; das Laouto, ein langhalsiges Zupfinstrument, das die Lyra begleitet; und die Mantoura, eine Hirtenflöte. Zusammen tragen sie jede Hochzeit, jedes Dorffest und jeden Sommerabend auf der Taverna-Terrasse: Musik ist auf Kreta kein Hintergrund, sondern der Grund, warum man zusammenkommt.

Ehre und Gastfreundschaft

Philotimo und Filoxenia

Zwei Wörter erklären mehr über die kretische Mentalität als jedes Geschichtsbuch. Philotimo, wörtlich "Liebe zur Ehre", beschreibt ein tief verwurzeltes Ehrgefühl, das Stolz, Anstand und Verantwortung füreinander verbindet. Filoxenia, die kretische Gastfreundschaft, bedeutet, dass Fremde nicht bewirtet, sondern wie Familie behandelt werden. Wer einmal auf Kreta zu Gast war und ohne ein Glas Raki oder ein Stück Obst "aufs Haus" wieder gegangen ist, hat vermutlich das falsche Lokal erwischt.

Menschen, die die Insel geprägt haben

Nikos Kazantzakis (1883–1957)

In Heraklion geboren, einer der bedeutendsten griechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Bekannt vor allem für "Alexis Sorbas".

El Greco (1541–1614)

Domenikos Theotokopoulos, geboren im kretischen Dorf Fodele, wurde als Maler der spanischen Renaissance zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Zeit.

Eleftherios Venizelos (1864–1936)

Geboren in Chania, führte er Kreta zur Autonomie und späteren Vereinigung mit Griechenland, einer der prägendsten Politiker der griechischen Geschichte.